SuchtWas ist Sucht?
Der Begriff Sucht ist umfassend zu verstehen. Sucht beinhaltet physische,
psychische wie auch soziale Abhängigkeit. Sucht ist nicht mit Gewohnheit, der natürlichen Abhängigkeit
von Nahrungsmitteln, Kleidung und/oder mit Problemverhaltensweisen, die (noch) der willentlichen Kontrolle
des Subjekts unterliegen, gleichzusetzen. Von Sucht sprechen wir dann, wenn sich das zugrundeliegende
Problemverhalten zu einem eigendynamischen, zwanghaften Verhalten entwickelt, das sich selbst organisiert
hat und sich rückhaltlos beständig zu verwirklichen sucht. Süchtiges Verhalten ist immer eine Interaktion
zwischen Persönlichkeit, Umwelt und Suchtmittel resp. Suchtverhalten mit dem Zwang, ein Verhalten zu
wiederholen, eine Menge zu steigern sowie mit der Angst, süchtiges Verhalten aufzugeben.
Als Suchtmittel gelten all jene legalen und illegalen, natürlichen oder
synthetischen Stoffe, deren Missbrauch oder dauerhafter Gebrauch zu psychischer und/oder körperlicher
Abhängigkeit führen.
Neben substanzgebundenen Suchtformen existieren auch substanzungebundene
Suchtformen wie Magersucht oder Spielsucht.
Sucht hat bei Frauen und Männern teilweise geschlechtsspezifisch unterschiedliche
Entstehungsbedingungen und Ausdrucksformen.
Sucht ist nicht nur eine Folge individuellen Verhaltens, sondern auch
von äusseren Einflüssen. Prägend wirken die familiären, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen
Verhältnisse, die geltenden Werte und Normen, beispielsweise die Rollenbilder, die ausgeprägte Tendenz
zur Vereinzelung, die schwindende Solidarität, aber auch die unterschiedliche gesellschaftliche Akzeptanz
von Suchtmitteln. Sucht ist somit auch ein gesellschaftspolitisches Thema.
Steht die Krankheit im Vordergrund, sprechen wir nicht von Sucht, sondern
von Abhängigkeit.
Es kann heute davon ausgegangen werden, dass es keine eindeutige, kausale
Bedingung für abhängiges Verhalten gibt. Andererseits besteht ein Wissen darüber, dass es Faktoren gibt,
die sowohl Sucht fördernd als auch Sucht verhindernd wirken können.
Die Entwicklung von Abhängigkeiten (stoffgebundenen und stoffungebundenen)
ist ein Prozess, der stufenweise fortschreitet. Es liegt zudem im Wesen der Abhängigkeiten, dass sich
das aktuelle Krankheitsgeschehen nicht synchron mit der persönlichen Krankheitseinsicht entwickelt.
Diese erfolgt meist erheblich verzögert.
|